• Pia

Zwischen schön und praktisch: Kalligraphie. Sinnbild des 21. Jahrhunderts.

Aktualisiert: Sept 29


Ihr merkt schon, jetzt wird’s philosophisch! Wie schreibt man im 21. Jahrhundert? Wie schreibt Ihr? Schön? Schnell? Geschmiert, geschliffen, getippt?

Über Handschriften habe ich hier schon gesprochen, auch darüber, wie befreiend es sein kann, seinen Gedanken Ausdruck oder eher Schrift (!) zu verleihen.

Aber eins ist völlig klar:

Die meiste Zeit des Tages verbringen wir am PC oder Smartphone. Hier geht es weniger um eleganten Schwung, als vielmehr um Geschwindigkeit im Anschlag. Das bringt viele Vorteile mit sich – und ein kleines bisschen Arthrose…

Aber mal ehrlich (Schreibhand auf’s Herz):

Wer von euch gerät auch ins Schwitzen, wenn’s an die eigens verfassten Weihnachts- und Neujahrsgrüße geht? Ja, wir wenden uns gerne vertrauensvoll an die ‚Kartenmachereien‘ dieser Welt. Klick, klick, klick und die Sache ist geritzt.

Unkompliziert, ja. Aber schön? Tja, was heißt schon schön. Je länger ich mich mit dem Thema beschäftige, umso deutlicher spüre ich, dass mich diese 0-8-15 Druckerzeugnisse nicht wirklich befriedigen. Zumindest, wenn’s dann mal was Besonderes sein darf, zum Beispiel zu Weihnachten.

Fazit, Hand anlegen? Büttenpapier und an den Griffel, fertig, los?


Ich hab’s mir für dieses Jahr fest vorgenommen und vorab schon mal ein bisschen geübt. Unter uns gesagt: Back to the roots – soll heißen, zur Schreibschrift – erfordert, was manchmal fast verloren scheint: Zeit und Hingabe.

Die Kunst des ‚Schönschreibens‘ hat Name und Programm. Kalligraphie (griechisch kállos, deutsch Schönheit) beschreibt nicht nur die Einstellung, sich beim Schreiben wieder etwas mehr Mühe zu geben, sondern eine wahre Kunstform der Schrift. Wenngleich der Weg zur Kalligraphie über die Schreibschrift führt, hat das Schulfach Schönschreiben erstmal einen anderen Zweck. Nämlich leserlich schreiben. Die Kalligraphie steht in der westlichen Kultur eben dieser Akzentuierung entgegen. Ein kleiner Geschichts-Exkurs:

Während im Mittelalter die Lesbarkeit im Mittelpunkt stand und Abschriften lediglich in Form von Ligaturen oder Abbreviaturen (Abkürzungen) ‚verschönert‘ wurden, brachten Renaissance und Barock die eigentliche Kunstform der Schrift hervor. Da macht der Ausdruck Schriftbild mit einem Mal wieder richtig Sinn!


Schön haben wir geklärt – aber praktisch? Zugegeben, klingt erstmal sehr ‚unpraktisch‘ … Schreiben entgegen dem Hauptziel der Leserlichkeit :D …

Aber wie gesagt, ich hab’s ausprobiert. Die hohe Kunst des Schönschreibens erprobt und – es genossen! Recherchiert man ein wenig zum Thema, dann kommt einem eine Flut an Informationen und Anleitungen entgegen. Es zeigt sich deutlich, Schreib-Kunst ist wieder im Trend! Die Fehde zwischen Mittelalter und Renaissance, Typographie und Kalligraphie lebt. Verwunderlich? Nicht wirklich. Denn was könnte ‚typographischer‘ sein als gedruckter und getippter Text, wie er uns tagtäglichen vor Augen steht. Im Zeitalter der Extreme schafft sich unsereins bekanntermaßen Ausgleiche. Yoga, Mandala, Achtsamkeit und, natürlich, Kalligraphie. Schreiben nach Regeln, die kein Computer vorgibt, die man in der eigenen Zentrale einspeichern und beachten muss…

Für mich war es am Ende so: Der Weg nahm seinen Ausgang von regelmäßigen Schreibschriftübungen – # tbt 1999, auch was die Qualität angeht – über einige einfache Schriftarten, zurück zur Schreibschrift, die mir nun wieder herrlich leicht von der Hand geht. Praktisch ist das allemal, zwanglos und ohne Verlegenheit wieder zum Füllfederhalter greifen zu können. Eine Abhängigkeit weniger – dem Aufstieg der AI trotze ich mit dem Humanum schlechthin: meiner Handschrift.

Und nebenbei war mein Exkurs in die Welt der Kalligraphie ungemein entspannend. Viele schwören ja auf die meditative Wirkung dieser achtsamen Schreibe. Und auch ich kann sagen: Das macht den Kopf frei, so genau zu sein. Exakt. Fast pedantisch. Es entsteht ein Gefühl von Kontrolle – mit dem Griffel fest im Griff! Und nicht zuletzt die Befriedigung, etwas erschaffen zu haben, das schön ist und immer schöner wird (mit ein bisschen Übung).


Anleitungen findet ihr im Netz und das Equipment ist nicht allzu umfangreich (Geodreieck, weicher Radiergummi & und zunächst dein liebstes Schreibutensil). Es empfiehlt sich anfangs ein Raster mit Hilfslinien oder ein sogenanntes DotPad zu benutzen.

Dein Notizbuch von Leuchtturm1917 eignet sich dafür optimal! Die Lineatur-Option dotted gibt deinem Notizbuch nicht nur eine individuelle Note, sondern verwandelt es im Handumdrehen in dein Übungsheft für unterwegs.

Ganz schön praktisch…

Mit Liebe erfunden im Herzen von
Düsseldorf, Nordrhein-Westfalen.

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